Über die Sparrenburg

Der Bau der Burg

Die Burg wurde vermutlich in der Zeit von 1240 bis 1250 auf einem Bergsporn, dem heutigen Sparrenberg, errichtet. 1256 wird sie als erstmals urkundlich erwähnt. Ihr Erbauer, Graf Ludwig von Ravensberg, machte die Burg zum Herrschaftszentrum seiner Grafschaft. Darüber hinaus war sie Wohnsitz für den Landesherrn und sein Gefolge. Zugleich diente sie dazu, den Pass im Teutoburger Wald militärisch zu sichern und die 1214 gegründete Stadt Bielefeld zu schützen und zu bewachen. Den Bielefeldern gegenüber war sie eine Mahnung, die Macht des Landesherrn nicht zu vergessen und nicht aufsässig zu werden.

Ihren Namen erhielt die Burg vom Wappenbild der Grafen von Ravensberg. Dieses Wappen, das seit dem 12. Jahrhundert nachweisbar ist, zeigt drei rote Sparren auf silbernem Grund.

Die mittelalterliche Burg war ursprünglich ein einfacher Rechteckbau von 45 m Breite und 80 m Länge. Ihr Umriss ist wegen der späteren Um- & Anbauten heute kaum noch zu erkennen. Auf der Torseite wurde der Zugang durch einen Halsgraben und eine Zugbrücke gesichert. Eine Schildmauer, in deren Mitte der Turm stand, teilte die Anlage in eine Vor- & eine Hauptburg. Während die Vorburg die Stallungen, militärisch genutzte Räume und über dem Tor eine Kapelle enthielt, stand in der Hauptburg der Palas, das der Stadt zugewandte Wohn- und Repräsentationsgebäude.

Im Jahre 1346 starb die Familie der Grafen von Ravensberg in männlicher Linie aus. Sie wurden von den Herzögen von Jülich-Berg beerbt, diese wiederum im Jahre 1511 von den Herzögen von Kleve. Die neuen, fern wohnenden Herren nutzten die Burg als Verwaltungsmittelpunkt der Grafschaft.

Ausbau zur Festung

Im 15. Jahrhundert entwickelte sich die Waffentechnik weiter. Vor allem die Erfindung der Kanonen machte es erforderlich, die Sparrenburg zu einer Festung auszubauen. Die Herzoge von Kleve ließen sie Mitte des 16. Jahrhunderts nach dem Dürerschen Rondellsystem befestigen. An jeder Ecke der Burg wurde ein großes Rondell mit Plattform und Schießkammern gebaut. In den Innenräumen der Rondelle befanden sich außerdem Kasematten als Munitions- und Unterkunftsräume, Werkstätten und eine Bäckerei. Die Rondelle wurden durch starke Längsmauern, die Kurtinen, verbunden.

Es entstanden das Kiekstadtrondell, das Schusterrondell und das Marienrondell. Das Windmühlenrondell scheint bereits seit dem 15. Jahrhundert als freistehender Turm vorhanden gewesen zu sein. Da es sich aber nicht wie die anderen Rondelle an der Mauerecke befand, sondern ca. acht Meter weiter innen, musste die freistehende Mauerecke zusätzlich gesichert werden.

Herzog Wilhelm von Kleve beauftragte daher 1556 den italienischen Festungsbaumeister Alexander Pasqualini, diese Schwachstelle zu beseitigen. Pasqualini fügte die lange Mauerspitze, den Scherpentiner, hinzu.

Streit um die Burg

Als die Herzöge von Kleve 1609 in männlicher Linie ausstarben, stritten sich die später katholischen Pfalz-Neuburger mit den inzwischen reformiert gewordenen brandenburgischen Kurfürsten um das Erbe. Hierzu gehörte neben den Ländern Jülich, Kleve, Berg und Mark auch die Grafschaft Ravensberg. Der Streit ist Teil der Vorgeschichte und auch der militärischen und politischen Auseinandersetzung des Dreißigjährigen Krieges (1618 – 1648). Während des Krieges wechselte mehrfach die Besatzung der Burg. Die Holländer als Parteigänger des Kurfürsten machten den Spaniern, den kaiserlichen Verbündeten, Platz. Von den Holländern wurde die Burg nochmals verstärkt, indem sie Schanzen und Erdwälle anlegten. Die Burg wurde von Spaniern, Schweden, kaiserlichen Truppen und Franzosen besetzt, jedoch nie erobert. 1647, ein Jahr vor dem Westfälischen Frieden, wurde durch den Düsseldorfer Vertrag der jülich-klevische Erbfolgestreit beendet. Sieger im Streit war Friedrich Wilhelm von Brandenburg, der Große Kurfürst. Ihm fiel neben den Territorien auch die Grafschaft Ravensberg mit der Sparrenburg zu.

Der Große Kurfürst

Die Sparrenburg verlor ihre militärische Bedeutung. Der Große Kurfürst ließ die Anlage, die durch den Dreißigjährigen Krieg stark gelitten hatte, zwar wieder herrichten, aber eben nicht als Festung, sondern als sein Wohnhaus. Mahrfach hat er dort mit seinem Gefolge, rund 150 Personen, residiert. Zwei seiner Kinder erblickten auf der Burg das Licht der Welt.

Noch mehrfach drohte die Gefahr. Als zum Beispiel bei kriegerischen Verwicklungen des Kurfürsten mit dem französischen König, Ludwig XIV., und dessen Verbündetem, dem münsterschen Bischof Christoph Bernhard von Grale, feindliche Truppen ins Land zogen. 1673 standen sie vor Bielefeld. Nur durch geschickte Verhandlungen und eine Geldzahlung konnte man sie zum Abzug bewegen.

Eine erneute Belagerung 1679 durch die Franzosen wurde ebenfalls erfolgreich abgewehrt, während die Stadt Bielefeld ihre Tore den Feinden öffnen musste.

Verfall der Burg

Nach dem Tode des Großen Kurfürsten 1688 legten seine Nachkommen keinen Wert auf die Erhaltung der Burg. Sie begann im Laufe der Jahre zu verfallen. Von 1743 bis 1877 wurde sie als Amtshaus und Gefängnis genutzt. Gefangene haben die Bielefelder „Promenade“ auf dem Kamm des Teutoburger Waldes zwischen Furtwängler Straße und der Sparrenburg angelegt.

Die Burg wurde zur Ruine, als Friedrich der Große 1775 die Anordnung traf, die Steine der Außenmauern abzutragen, um damit die noch heute erhaltene 55er Kaserne in der Hans-Sachs-Straße zu bauen.

Ein Thema das heute wieder aktueller den je ist!!

Das 19. Jahrhundert

Mitte des 19. Jahrhunderts entdeckte man die Sparrenburg von neuem, jetzt nicht als militärisches Objekt, sondern als historisches Denkmal. Mit Hilfe von Geldspendern konnte 1842 mit dem Wiederaufbau des verfallenen Turmes begonnen werden. Er erhielt einen Zinnenkranz, obwohl er ursprünglich wohl mit einem Kegeldach geschlossen gewesen war. Im Jahre 1879 erwarb die Stadt Bielefeld die Burganlage vom preußischen Staat. Ihr amtlicher Wert war auf 70.000 Taler festgesetzt worden, der Ankauf hat jedoch nur rund 3.000 Taler gekostet. Seitdem ist die Sparrenburg das Wahrzeichen der Stadt und ein beliebtes Ausflugsziel für Bielefelder und ihre Besucher.

Im Innenhof steht das Denkmal des Großen Kurfürsten, das Kaiser Wilhelm II., als letzter Graf von Ravensberg, der Stadt stiftete und am 6. August 1900 feierlich enthüllte.

Gegenwart

Im Zweiten Weltkrieg wurde die Sparrenburg ein letztes Mal zu militärischen Zwecken genutzt: Die Luftabwehr stellte ein Flakgeschütz auf. Am 30. September 1944 fielen alle Gebäude, mit Ausnahme des Turmes, einem schweren Luftangriff zum Opfer. Nach den notwendigen Aufräumungs- und Sicherungsarbeiten konnte die Burg im Mai 1949 wieder für Besucher freigegeben werden. Auf den Ruinen wurde ein neues Gebäude errichtet, in dem sich heute die Burggaststätte befindet.

Nach umfangreichen Restaurierungsarbeiten präsentiert sich die Burg heute in einer imponierenden historischen Gestalt. Von April bis Oktober können die Besucher das weitverzweigte unterirdische Gangsystem erkunden, den Turm besteigen und dabei die Aussicht auf die Stadt und das Umland genießen (bei guter Sicht sogar das Hermanns-Denkmal in Detmold).

Öffnungszeiten:

von April – Oktober
tägl. 10 – 18 Uhr

Führungen:
Turmbesichtigung & Besichtigung der Kasematten (unterirdische Gänge)

Auskünfte:
Tel. 05 21/13 67 956

Hinweisschild Turm
Geschichten und Mythen

Überall dort, wo es Burgen gibt, kursieren Geschichten von unterirdischen und geheimen Gängen. So auch in Bielefeld. Angeblich ist die Sparrenburg durch einen Tunnel mit dem Alten Markt verbunden. Natürlich soll es auch Urgroßväter gegeben haben, die den Weg fanden. So schön es auch wäre, aber der „unterirdische Gang“ existiert nur in den Köpfen der Einheimischen und wird beharrlich an die Kinder weitergegeben.

Quelle:
Bielefeld – Die Sparrenburg, Im Wandel der Jahrhunderte (Broschüre)

Herausgeber:
Bielefeld Marketing GmbH, Verkehrsverein Bielefeld e.V., Willy-Brandt-Platz 2, 33602 Bielefeld, Tel. 05 21/51 61 60, Fax 05 21/51 61 63, E-Mail: marketing@bielefeld.de, Internet: www.bielefeld.de